Am 6. Oktober 2026 widmete sich das Chinaforum Bayern im Rahmen einer Abendveranstaltung den Herausforderungen chinesischer Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland. Impulsvorträge und eine anschließende Diskussion boten Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven auf die Zusammenarbeit mit deutschen Partnern und Dienstleistern zu beleuchten.
Leo Wu, Managing Partner bei Asia Solution Europe, zeigte sechs zentrale „Reibungspunkte“ auf, mit denen chinesische Unternehmen in Deutschland häufig konfrontiert sind: Geschwindigkeit, Kosten, Vertrauen, Kommunikation, Entscheidungsprozesse und Nachhaltigkeit. Schnelle Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse auf chinesischer Seite treffen beispielsweise auf einen stärker von Abstimmung, Compliance und Konsens geprägten Ansatz in Deutschland. Entscheidend ist nicht, welches Modell „richtiger“ ist, sondern wie beide Seiten Strukturen schaffen, die in der gemeinsamen Praxis funktionieren.
Stephan Kübler, Partner und Co-Head of China Practice bei Bird & Bird, teilte seine langjährige Erfahrung in der Beratung chinesischer Unternehmen und sprach über unterschiedliche Logiken bei Verhandlungen, Kommunikation, Entscheidungsprozessen und beim Aufbau von Vertrauen. Eine zentrale Erkenntnis: Vertrauen braucht Zeit. Wer Unterschiede versteht, offen kommuniziert und Erwartungen entsprechend anpasst, schafft eine wichtige Grundlage für langfristige Zusammenarbeit.
Nan Li, Gründerin und Geschäftsführerin von China Agent, vertiefte die Diskussion um den interkulturellen Kontext. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie, dass Reibungen häufig nicht aus mangelnder Professionalität entstehen, sondern daraus, dass dieselben Verhaltensweisen in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich interpretiert werden. Wenn wir nur das Verhalten sehen, aber die Logik dahinter nicht verstehen, entstehen leicht Missverständnisse.
Kevin Tian , Managing Director des AVATR Global Design Center, gab Einblicke in die Erfahrungen von AVATR beim Eintritt in den deutschen Markt und zeigte aus Sicht eines chinesischen Automobilunternehmens die konkreten Herausforderungen beim Aufbau in Deutschland auf. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Stärken mit den Anforderungen des lokalen Marktes, den Partnern und den Teams vor Ort zu verbinden.
Konsul Guo Fang, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung des Generalkonsulats in München, ergänzte die Diskussion um die makroökonomische und institutionelle Perspektive der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen und der Entwicklung chinesischer Unternehmen in Deutschland. Chinesische Unternehmen müssen den deutschen Rechtsrahmen, den Markt und die Geschäftskultur verstehen – gleichzeitig sollten deutsche Partner die Entscheidungslogik und Dynamik chinesischer Unternehmen besser nachvollziehen.
Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Gäste die Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu richten und einzelne Aspekte gemeinsam zu vertiefen. Beim anschließenden Abendessen klang die Veranstaltung in entspannter Atmosphäre aus und bot Raum für persönlichen Austausch und neue Kontakte.



