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China 2018: Ein analytischer Jahresrückblick von Prof. Dr. Markus Taube

Zum traditionell vor Weihnachten stattfindenden Breakfast Club hatte das Chinaforum Bayern e.V. Prof. Markus Taube, Inhaber des Lehrstuhls für Ostasienwirtschaft/China an der Mercator School of Management und Direktor der IN-EAST School of Advanced Studies an der Universität Duisburg-Essen, eingeladen.

In seiner ausführlichen Analyse „China 2018 – ein Jahresrückblick“ stellte Taube am 17. Dezember im Bayerischen Wirtschaftsministerium in München vor rund 70 Gästen seine persönlichen Highlights in China und in Chinas globalen Außenbeziehungen im vergangenen Jahr vor. Für ihn bestimmten fünf große Themen das Jahr 2018: Abkehr von liberalen Werten, die Wirtschaftspolitik, Belt and Road, der Handelskonflikt China-USA sowie Künstliche Intelligenz (KI).

„Mein persönliches Wohlfühlthermometer hat sich einigermaßen abgekühlt. Wir sind in eine kühle Phase eingetreten, in der wir die Abkehr von liberalen Werten sehen“, eröffnete Taube seinen Vortrag. Das Jahr begann damit, dass Chinas Staatspräsident XI Jinping seine politische Leitlinie in eine Theorie umgewandelt und sich selbst als Führer auf Lebenszeit inthronisiert hat. „So früh hatte ich nicht damit gerechnet“, sagte Taube. Seitdem habe sich die Atmosphäre in China massiv verändert: „Wir erleben derzeit eine Re-Ideologisierung von Staat und Gesellschaft.“ Neo-konfuzianische Strömungen werden stärker und es sei ein „reges Geschäft entstanden, in dem neue Glaubensmodelle initiiert werden.“ Darüber hinaus sei es „irritierend zu beobachten“ wie Menschen verschwinden, wie beispielsweise die Schauspielerin FAN Bingbing oder Interpol-Chef MENG Hongwei. Mit Blick auf die Situation in der Provinz Xinjiang schätzt der Wissenschaftler: „Ich glaube, dass KI-Kontrollmechanismen zuerst in Xinjiang und in Shanghai eingesetzt werden.“

Wirtschaftspolitik: „Die Wirtschaftspolitik ist in den letzten zwölf Monaten aufrechterhalten worden“, zieht Taube Bilanz. Der Geldhahn sei aufgedreht worden, die massiven Überkapazitäten seien abgebaut worden. Was hingegen nicht funktioniere, sei der Schuldenabbau. Firmen, die nicht überlebensfähig seien, werden mit staatlichen Geldern gerettet: „Diese Schlacht ist noch nicht gewonnen worden. Hier baut China langfristig einen Krisenherd auf.“

Nicht überbewerten sollte man die Liberalisierungstendenz von der deutsche Unternehmen wie Allianz, BASF und Bayer profitieren. „Hier werden Investitionsmöglichkeiten freigegeben, weil man davon Vorteile hat.“ Dagegen gelte es beim Thema Verschärfung des Investitionsschutzgesetzes einen wichtigen gesellschaftlichen Diskurs zu führen. Zum einen sei es für bestimmte Firmen wichtig, chinesische Investoren an Bord zu holen, um zukunftsfähig zu bleiben. Zum anderen müsse man den Aspekt „sicherheitsrelevant“ aus den Entwürfen herausnehmen: „Ich bin zu der Überzeugung gekommen: Alles ist sicherheitsrelevant.“

Belt and Road: Die erste Euphorie ist verflogen, erste Überschuldungen wie in Sri Lanka tauchen auf. Es kommt zu Protesten in vielen Ländern: Hier werden Risiken eingegangen, die außerhalb der Kontrolle Pekings liegen, sagt der Wissenschaftler. Nach wie vor will China der Globalisierung ein chinesisches Gesicht geben. China setzt dabei wahlweise auf Kooperation, Konfrontation, Evolution oder Führerschaft, um seine Interessen durchzusetzen.

Handelskrieg zwischen China und USA: „Die Traumvorstellung Wandel durch Handel ist eindeutig gescheitert“, brachte es Taube auf den Punkt. „Jetzt, wo China stark genug ist, etablieret es sein eigenes Modell.“ Das aktuelle chinesische System sei lebensfähig und werde die nächsten zehn Jahre funktionieren. Europa und die USA profitierten vom steigenden Wohlstand in China. Die USA habe – im Vergleich zu China – etwas zu verlieren. Da die US-Administration nicht bereit sei, ihre Strategie zu verändern, glaubt Taube nicht, dass es zu einer Entspannung kommt.

Künstliche Intelligenz (KI): China baut Wettbewerbsvorteile aus. Deshalb solle Deutschland überlegen, wie es zu einem Level Playing Field kommen kann, um die Nachteile gegenüber China zu vermindern. „Die unterschiedlichen ethischen Standards führen dazu, dass wir extrem langsam sind.“ Deshalb müsse man überlegen, wie man damit umgehe. Taubes Fazit: „Der Kampf um die Welthegemonie hat begonnen.“

In der anschließenden Diskussion, die Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforum Bayern e.V., leitete, wurden die Themen Tencent und die digitalen chinesischen Giganten sowie die aktuelle Entwicklung beim Augsburger Unternehmen Kuka aufgegriffen. Nach der rund einstündigen Diskussion und dem anschließenden Get Together waren sich die Teilnehmer einig: Es soll keiner behaupten, das chinesische Jahr 2018 wäre langweilig gewesen!

Chinaforum Bayern Breakfast Club am 17.12.2018: „China 2018: Ein analytischer Jahresrückblick von Prof. Markus Taube“

Autorin: Sigrid Eck

Beitragsersteller: Nicolas Solera (Praktikant)

2018-12-18T16:46:04+00:00