Lade Veranstaltungen

Der Tatort, die inzwischen auf eine über 50-jährige Geschichte zurückblicken kann, wird oft als „der wahre deutsche Gesellschaftsroman“ gerühmt. Als Kultkrimi prägt er maßgeblich die Wahrnehmung des „Fremden“ sowie den Diskurs über Migration mit. Doch welches Bild zeichnet die Serie von China und den in Deutschland lebenden Menschen chinesischer Herkunft? Ist dieses Bild realitätsnah oder vielmehr von Klischees und Stereotypen geprägt?

Der Vortrag präsentiert eine fundierte Inhaltsanalyse der Tatort-Folgen mit chinabezogenen Motiven und Charakteren aus über fünf Jahrzehnten. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen: Welche China-Motive und Chinesen/-innen-Charaktere kommen in der Krimiserie vor? Welche chinesischen Elemente und in welcher Form sind präsent? Wie haben sich die China-Geschichten über die Jahrzehnte hinweg entwickelt? Welche erzählerischen Muster nutzen die Drehbücher, um „Chinesischsein“ zu konstruieren?

Die Analyse macht deutlich, dass in Tatort sich spezifische Klischeerollen identifizieren lassen, die das Bild von China und chinesischen Migranten nachhaltig geprägt haben. Dabei wird immer wieder auf bestimmte Stereotype und Vorurteile über China und Chinesen zurückgegriffen. Hinter den unterschiedlich ausgetragenen Handlungen und Konfliktmotiven verbergen sich tief verwurzelte Narrative-Muster. Drei dominante Muster treten dabei besonders hervor: die Darstellung der wirtschaftlichen Verflechtung mit China als kriminelle Bedrohung, das Bild der chinesischen Community als abgeschottete oder in sich geschlossene Parallelgesellschaft sowie die Konstruktion der chinesischen Kultur als das „exotische Andere“, wo chinesische Küche und China-Restaurants eine besondere Rolle spielen. Während in Tatort jedoch einige chinabezogene Elemente, Stereotype und Narrative-Muster über Jahrzehnte hinweg stabil bleiben, gewinnen andere entsprechend der sozialen Verhältnisse in Deutschland eher zeitweise an Aktualität.

WEITERE INFORMATIONEN / ANMELDUNG