Unser Thema im Dezember 2010:
Bei einem Staatsbesuch Anfang Oktober in Athen kündigte der chinesische Ministerpräsident WEN Jiabao an griechische Staatsanleihen zu kaufen sowie griechische Reeder mit Krediten in Höhe von fünf Milliarden Dollar beim Kauf chinesischer Schiffe zu unterstützen. Ferner wolle Beijing seine Importe griechischer Produkte verdoppeln. „Gute Freunde sind da, um zu helfen, wenn einer es braucht“ erklärte WEN und deutete an, auch anderen europäischen Ländern zu helfen, wenn dies nötig sein sollte. Während der griechische Ministerpräsident von einer strategischen Kooperation schwärmt, äußert sich insbesondere die deutsche Presse besorgt über das chinesische Hilfspaket.
In der Dezemberumfrage unseres „ChinaPolls“ wollten wir wissen, was Ihre Meinung zu der neuen Partnerschaft zwischen China und Griechenland ist.
126 Personen nahmen dieses Mal an der Umfrage teil und wir bedanken uns sehr herzlich für Ihr Mitmachen und die zahlreichen interessanten Kommentare.
68 Teilnehmer und damit 54% der Befragten äußerten die Ansicht, dass Chinas Unterstützung alles andere als selbstlos ist, da die Volksrepublik durch den Deal mit Griechenlands Regierung nicht zuletzt einen direkten Zugang für seine Produkte zum europäischen Markt bekommt. Einige Vertreter dieser Meinung schrieben in ihrem Kommentar, dass die Kooperation der beiden Staaten zwar nicht verhindert, doch zumindest aufmerksam verfolgt und kontrolliert werden sollte. Insbesondere im Hinblick auf die Ankündigung Chinas, auch weitere europäische Länder zu unterstützen, fürchten sie eine Zersplitterung der europäischen Interessen. Andere Teilnehmer sehen hinter der chinesischen Offerte an Griechenland den Versuch, die Position der USA bei seinem wichtigsten Bündnispartner Europa zu schwächen und seine Einflusssphären weiter auszubauen.
Gelassener äußerten sich weitere Vertreter dieser Ansicht. Ihrer Meinung nach versuchen auch viele Länder Europas, Zutritt zum chinesischen Markt zu bekommen. Dass China nun ebenfalls versucht, einen Fuß in die europäische Tür zu bekommen, sei daher nachvollziehbar und – wie sich ein Teilnehmer äußerte – auch von der WTO gedeckt. Darüber hinaus schaffe eine zunehmende Verflechtung Europas und Chinas nicht nur eine stärkere europäische Abhängigkeit von der Volksrepublik, sondern würde auch umgekehrt China enger an die Entwicklung Europas binden.
Knapp 30% der Befragten waren der Ansicht, dass die Kooperation zwischen China und Griechenland nicht nur einen ungehinderten Zugang für chinesische Produkte zum europäischen Markt schafft, sondern auch den politischen Einfluss Chinas auf ein EU-Mitglied und damit auf die gesamte Europäische Union erhöht, was unbedingt verhindert werden sollte. Einige Teilnehmer sehen in den chinesischen Investitionen in Griechenland sogar eine Form der modernen Kolonialisierung, vergleichbar mit Chinas Engagement in Afrika. Sie warnen davor, Chinas Unterstützung zu gutgläubig zu betrachten und bemängeln Europas Unfähigkeit zur Selbsthilfe.
Über 16% der Umfrageteilnehmer vertraten die Meinung, dass es durchaus positiv sei, wenn China Griechenland unterstützt, da dies die anderen EU-Staaten bei der Sanierung des griechischen Haushalts entlastet. Die engere Kooperation im Handel sowie die chinesischen Investitionszusagen haben Ihrer Ansicht nach keinen direkten Einfluss auf Griechenlands Politik. Außerdem habe China generell ein sehr positives Verhältnis zu Europa, was durch die zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit tendenziell weiter gestärkt würde.
Wir sollten uns freuen, dass China Griechenland unterstützt. Das entlastet die anderen EU-Staaten bei der Sanierung des griechischen Haushalts. | 16,7% |
Chinas Unterstützung ist alles andere als selbstlos. Durch den Deal mit Griechenlands Regierung bekommt China für seine Produkte einen direkten Zugang zum europäischen Markt. Doch was ist dagegen einzuwenden? | 54,0% |
Die Kooperation zwischen China und Griechenland schafft nicht nur einen ungehinderten Zugang für chinesische Produkte zum europäischen Markt, sondern erhöht auch den politischen Einfluss Chinas auf ein EU-Mitglied und damit auf die gesamte Europäische Union. Dies sollte unbedingt verhindert werden. | 29,3% |
Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre zahlreichen interessanten Kommentare und würden uns auch bei unserem nächsten ChinaPoll wieder über Ihre Teilnahme freuen.
Beste Grüße Freundliche Grüße
Stefan Geiger Yijiang Zhang
Geschäftsführer Chinese Coordinator
Chinaforum Bayern e.V. Deloitte & Touche GmbH
Tel. +49 89 89 46 58 90 Tel. +49 89 29 036 8801

